Bac allemand es s lv1 texte 1

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Als Kind lebte Jörg Berger, der Autor dieser Autobiographie, in der DDR.
Als es die Mauer noch nicht gab, gingen meine Mutter und ich einmal mit einem bezahlten Schleuser1
in denWesten. Zuerst trampten2 wir nach Weilheim, später noch in den Norden nach Lübeck, wo sie
mit ihren Eltern gewohnt hatte, bevor sie meinen Vater kennenlernte. Dabei durfte ich mitErstaunen
feststellen, dass meine Mutter Chancen bei anderen Männern hatte. Von einem Amerikaner, der uns
mitnahm, erhielt sie sogar einen Heiratsantrag. Er war ein höherer Offizierund nannte mich „little
boy“. Wir sollten bei ihm bleiben, so wünschte er es sich, und zusammen in die Vereinigten Staaten
ziehen. Ich will nicht behaupten, dass meine Mutter beidiesem Angebot ins Wanken geriet3. Doch sie
merkte, dass es noch andere Optionen im Leben gab, und hinzu kam, dass es ihr im Westen besser
gefiel als im Osten. Wir sind aber zu meinemVater zurückgekehrt.
Wieder zu Hause, drängte4 meine Mutter ihren Mann: „Du kannst doch auch drüben etwas finden. Wir
suchen uns dort eine neue Arbeit.“ In dieser Zeit, denfünfziger Jahren, hätte man noch ohne größere
Probleme gehen können. Und viele taten dies auch. Aber meine Mutter konnte meinen Vater nicht
dazu bewegen, etwas Neues anzupacken. Er ließ sichnicht verpflanzen.
Der Westen, das bedeutete für meine Mutter: Die Menschen, die dort leben, können machen, was sie
wollen. Die können ihre Entscheidungen selbst treffen, überallhinreisen. Ihre Sehnsucht, andere
Länder kennenzulernen, machte ich zu meiner eigenen. Nach aktuellem Stand habe ich über siebzig
verschiedene Länder besucht – als wenn ich es fürsie getan hätte.

1 der Schleuser :le passeur
2 trampen : faire du stop
3 ins Wanken geraten (ä, ie, a): être déstabilisé
4 jn drängen etwas zu tun: pousser/inciter qn à faire qch
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