Der mensch

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  • Publié le : 19 novembre 2010
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Text: Der Mensch von Kurt Tucholsky (1931)

In dem satirischen Text Der Mensch, der am 16.06.1931 in der Weltbühne erschienen ist, zeichnet Kurt Tucholsky (alias Kasper Hauser) ein Porträt über den Menschen und seine Verhaltensweisen. Er bringt durch einen bissigen Schreibstil seine sozial-kritische Meinung über die menschlichen Schwachpunkte zum Ausdruck und prangertdadurch die Abarten der menschlichen Rasse an. Durch die fast analytische Vorgehensweise im Text (der Mensch wird in Kategorien wie Biologie, Politik, Ökonomie etc. unterteilt), stellt Tucholsky unser Tun und Handeln mittels Übertreibungen und Ironie in Frage. Der Leser wird auf seine eigenen Fehler – als Mensch - aufmerksam gemacht. Er soll sein eigenes Verhaltens überprüfen und gegebenenfallskorrigieren.
Tucholsky zeichnet demnach ein pessimistisches Menschenbild. Der Mensch wird auf seine Funktionen in der Gesellschaft reduziert und seine egoistischen Verhaltensweisen offen gelegt. Um seine Meinung zu verdeutlichen verwendet der Autor Stilmittel wie Ironie und Übertreibung. Dies wird im Folgenden mittels konkreter Beispiele aus dem Text genauer belegt.

Wie in der Einleitungangedeutet, unterteilt Kurt Tucholsky, in seinem Text Der Mensch, den Menschen in bestimmte Kategorien. Er will damit die Funktionen des Menschen in der Gesellschaft darstellen. Hierzu bedient er sich zum Beispiel der Kategorie Ökonomie: „der Mensch ist ein nützliches Lebewesen, weil er dazu dient, durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, durch den Bergmannstod den Profit derGrubenherren zu erhöhen (…)“. Man findet noch weitere Einteilungen wie Politik, Patriotismus „Der Mensch gönnt seiner Gattung nichts, daher hat er die Gesetze erfunden (…), Der Mensch ist ein politisches Geschöpf (…), (…) Menschen ohne Fahne gibt es nicht.“ oder die Biologie „Der Mensch hat zwei Beine, Der Mensch ist ein Wirbeltier der Mensch zerfällt in zwei Teile: einen männlichen (…) und einenweiblichen (…), Der Mensch ist ein pflanzen –und fleischfressendes Wesen, jeder Mensch hat eine Leber, eine Milz, eine Lunge (…)“.

Durch diese nüchternen Beschreibungen entsteht ein sehr reduziertes Menschenbild. Der Mensch wird als gefühllose Maschine beschrieben. Dies lässt darauf schließen, dass Tucholsky eine sehr negative oder besser gesagt pessimistische Meinung über die Gesellschaft in der erlebt hat.

Jeder Aspekt des menschlichen Verhaltens wird zudem in einem kurzen für sich stehenden Abschnitt abgehandelt. Dies erzeugt beim Leser ein Gefühl von einem mechanisch abgehakten Rhythmus – was wieder an den Vergleich der Maschine erinnert. Der Mensch arbeitet, wie sie auch, einen Arbeitsschritt nach dem nächsten ab. Er denkt dabei nicht an andere, er funktioniert, und dass auch nur zuseinem Vorteil.

Dabei kann man auch den binären Rhythmus des Textes erwähnen, der wie die Taktvorgabe einer Maschine erscheint: „Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen“, „Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften (…)“, „der Mensch zerfällt in zwei Teile (…).“
Dieses Abhandeln und Aufzeigen von ständig neuen und absurdenVerhaltensweisen weist nicht nur darauf hin, dass der Autor mit der Gesellschaft in der er lebt unzufrieden ist, es zeigt vielmehr, dass er die Welt in der er lebt nicht versteht. Ein Indiz hierfür ist das verwendete Pseudonym „Kasper Hauser“. Mit der Aussage des Nichtverstehens wird die Ambivalenz von Bedeutungsinhalt und Pseudonym klar. Man erkennt eine Verbindung zwischen dem Nichtverstehen derWelt von Tucholsky und dem von Kasper Hauser. Dieser tauchte als etwa 16-jähriger Junge plötzlich in Nürnberg auf und behauptete sein bis dahin gelebtes Leben alleine in einem dunklen Keller und in völliger Isolation verbracht zu haben. Mit diesem Hintergrund konnte sich Kasper Hauser nicht in eine „normal“ funktionierende Gesellschaft eingliedern, da er die Welt nicht verstand, wie es Tucholsky...
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