Facettes d'islam

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  • Publié le : 23 mars 2011
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Heiner Bielefeldt

Facetten von Muslimfeindlichkeit
Differenzierung als Fairnessgebot1
I. Eine überfällige Debatte

Eine breite öffentliche Diskussion über Vorurteile und Ressentiments, die Muslimen hierzulande allzu oft entgegenschlagen, steht noch aus. Die Zeit ist reif dafür, und die Voraussetzungen für eine vertiefte Auseinandersetzung sind aktuell eigentlich ganz günstig.

Noch vordrei Jahren konnte man Begriffe wie Islamophobie oder Islamfeindlichkeit nicht verwenden, ohne sich sofort Vorwürfe von Überempfindlichkeit, Naivität oder „Gutmenschentum“ einzuhandeln. Hinter der Rede von Islamophobie, so ein immer wieder geäußerter Verdacht, stecke nichts anderes als eine ausgeklügelte islamistische Strategie zur Tabuisierung jedweder Kritik am Islam und seinen Repräsentanten. 2Es gehe darum, unter dem Banner des Kampfes gegen Islamophobie ein gesellschaftliches Klima der „political correctness“ zu schaffen, damit sich am Ende niemand mehr traue, „unbequeme Wahrheiten“ über den Islam bzw. über Muslime öffentlich auszusprechen. Um dem Spiel islamistischer Organisationen nicht auf den Leim zu gehen, solle man vom Begriff Islamophobie und ähnlichen Konzepten daher tunlichstAbstand halten.

Gewiss: Solche Warnungen kann man nach wie vor vernehmen. Sie sind aber nicht mehr tonangebend, und das macht einen wichtigen Unterschied. Dass eine nicht selten ressentimentgeladene, manchmal sogar rassistische Stigmatisierung von Muslimen ein reales Problem darstellt, dass Menschen darunter konkret leiden und dass sich daraus Risiken für das gesellschaftliche Miteinanderergeben, wird von ernstzunehmenden Kreisen in Politik und Wissenschaft kaum mehr in Frage gestellt. Wenn der Begriff der Islamophobie auch heute noch kontrovers diskutiert wird, dann geschieht dies unter deutlich veränderten
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Überarbeitete Fassung eines Vortrags, der am 6. September 2010 in der Arbeitsgruppe „Präventionsarbeit mit Jugendlichen“ der Deutschen Islamkonferenz gehalten wurde. ImLichte der Diskussion in der Arbeitsgruppe sind Veränderungen vorgenommen worden, die auch den Titel des Vortrags einschließen. 2 Bassam Tibi bezeichnet den Begriff der Islamophobie als „eine Waffe der Muslimbrüder in einem Propagandakrieg des politischen Islam gegen Europa und den Westen“. So Tibi in seinem Vorwort zu Udo Ulfkotte, Heiliger Krieg in Europa. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsereGesellschaft bedroht, Frankfurt a.M. 2007, S. 10.

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Voraussetzungen, nämlich in Anerkennung der Tatsache, dass es das damit bezeichnete Problemfeld wirklich gibt und es sich nicht um ein von interessierten Kreisen fabriziertes Phantasieprodukt handelt. 3 Die konzeptionelle Auseinandersetzung geht heute darum, ob der Begriff der Islamophobie geeignet ist, um die damit gemeinte Problematikangemessen zu benennen, oder ob sich passendere Begriffe dafür finden lassen.

Im vorliegenden Aufsatz verwende ich das Konzept der „Muslimfeindschaft“. Dies ist das Ergebnis einer intensiven Diskussion innerhalb der Arbeitsgruppe „Präventionsarbeit mit Jugendlichen“ der Deutschen Islamkonferenz. 4 Der Begriff der „Muslimfeindlichkeit“ soll das Spektrum negativer Einstellungen, Vorurteile,Handlungen usw. in seiner ganzen Breite bezeichnen; die unterschiedlichen Facetten innerhalb des Phänomenbereichs reichen von eher unterschwelligen Ressentiments über manche Klischeevorstellungen bis hin zu offen rassistischer Propaganda oder gar tätlichen Übergriffen. Im Unterschied zum gängigeren Begriff der „Islamfeindlichkeit“ (oder ähnlich der „Islamophobie“) bezieht sich das Konzept der„Muslimfeindlichkeit“ von vornherein auf die betroffenen Menschen und nur indirekt auf ihre Religion. Dies ist eine wichtige Nuance. Es geht demnach nicht primär um etwaige Missverständnisse oder Zerrbilder des Islams als eines Glaubenssystems, sondern um eine ablehnende Einstellung gegenüber einer Gruppe von Menschen, nämlich Muslimen (bzw. Personen, die für Muslime gehalten werden). Auch wenn es immer...
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