Inna scholl

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  • Publié le : 27 mars 2011
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Die Weisse Rose
Inge Scholl

An einem Morgen hörte ich auf der Schultreppe eine Klassenkameradin zur andern sagen: ‘Jetzt ist Hitler an die Regierung gekommen.’ Und das Radio und alle Zeitungenverkündeten: ‘Nun wird alles besser werden in Deutschland. Hitler hat das Ruder ergriffen.’
Zum erstenmal trat die Politik in unser Leben. Hans war damals 15 Jahre alt, Sophie 12. Wir hörten vielvom Vaterland reden, von Kameradschaft, Volksgemeinschaft und Heimatliebe. Das imponierte uns, und wir horchten begeistert auf wenn wir in der Schule oder auf der Straße davon sprechen hörten. Dennunsere Heimat liebten wir schr, die Wälder, den Fluss und die alten, grauen Steinriegel, die sich zwischen den Obstwiesen und Weinbergen an den stellen Hängen emporzogen. Wir hatten den Geruch von Moos,von feuchter Erde und duftenden Äpfeln im Sinn, wenn wir an unsere Heimat dachten. Und jeder Fussbreit war uns dort vertraut und lieb. Das Vaterland, was war es anderes als die grössere Heimat allderer, die die gleiche Sprache sprachen und zum selben Volke gehörten. Wir liebten es und konnten kaum sagen, warum. Man hatte bisher ja auch nie viele Worte darüber gemacht. Aber jetzt, jetzt wurdees gross und leuchtend an den Himmel geschrieben. Und Hitler, so hörten wir überall, Hitler wolle diesem Vaterland zu Grösse, Glück und Wohlstand verheffen; er wolle sorgen, das jeder Arbeit und Brothabe; nicht ruhen end rasten wolle er, bis jeder einzelne Deutsche ein unabhängiger, freier und glücklicher Mensch in seinem Vaterland sei. Wir fanden das gut, und was immer wir dazu beitragenkonnten, wollten wir tun. Aber noch etwas anderes kam dazu, was uns mit geheimnisvoller Macht anzog und mitriss. Es waren die kompakten marschierenden Kolonnen der Jugend mit ihren wehenden Fahnen, denvorwärtsgerichteten Augen und dem Trommelschlag und Gesang. War das nicht etwas Überwältigendes, diese Gemeinschaft? So war es kein Wunder, dass wir alle, Hans und Sophie und wir anderen, uns in die...
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