Jazz

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  • Publié le : 7 juin 2010
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"Jazz"
Ein Überblick über die Jazzgeschichte

1. Definition und Etymologie
Der Jazz ist eine aus dem Zusammentreffen afrikanischer und afro-amerikanischer sowie europäischer Musiktraditionen entstandene Musik vornehmlich improvisatorischen Charakters. Seine direkten Wurzeln liegen in geistlichen und weltlichen Musizierformen des 19. Jahrhunderts. Der Jazz entwickelte sich im 20. Jahrhundertvon einer im Brauchtum verwurzelten mehr oder weniger regional bedeutsamen Musik (New Orleans) über seine Funktion als Popularmusik (Swing) hin zu einer Kunstmusik mit mehr oder weniger breitem Publikumsverständnis (Bebop, Free Jazz). Die unterschiedlichen Stilrichtungen innerhalb dieser Entwicklung weisen einzelne musikalische und ästhetische Charakteristika auf, die sie als Stile des Jazzidentifizieren. Solche Charakteristika sind beispielsweise: Improvisation, swing (zum Unterschied zwischen Swing und swing s.u.), eine spezielle Art der Tonbildung und Instrumentenbehandlung, stilistische Individualität einzelner Musiker, sowie ein Traditionsbezug auf vorhergegangene Stile der Jazzgeschichte.
Musikalische Charakteristika des Jazz sind meist auf die afrikanische bzw. afro-amerikanischeTraditionslinie seiner Vorgeschichte zurückzuführen, also beispielsweise auf orale Überlieferungsmuster, auf eine von europäischer Musik abweichende Funktion der Rhythmik, auf ein bestimmtes Klangideal, auf eine emotional-motorische Musizier- und Rezeptionshaltung. Europäische Momente lassen sich vor allem in technischen und aussermusikalischen Voraussetzungen der Musik und ihrer Vermittlungerkennen: in Repertoire und Formensprache, in der Instrumentenwahl, später in einer Virtuosen-Ästhetik, der Vermarktung des Jazz innerhalb der Gesellschaft oder in Präsentationsformen der Musik. Die Stilbreite des Jazz reicht musikalisch von archaischen Melodieparaphrasen in unbegleiteter Manier oder kollektiver Variantenheterophonie über virtuose solistische Improvisation auf der Basis bekannter Form-und Harmonieschemata bis hin zur auf die Reaktion des Augenblicks gezielten mehr oder weniger von Absprachen freien Improvisation des Free Jazz. Rezeptionsgeschichtlich umfasst der Jazz genauso die im Brauchtum verwurzelte Musik wie die in der Massenkultur vermarktete Popularmusik oder eine elitäre Minderheitenmusik – wobei solche Eckpunkte durchaus nicht als chronologische Beschreibung derRezeptionsgeschichte verstanden werden sollen, sondern Rezeptionstypen zu verschiedenen Zeiten der Jazzentwicklung bezeichnen. In der Ästhetik des Jazz schliesslich spielen Auseinandersetzungen mit vorgegebenen (europäischen) ästhetischen Modellen eine Rolle. Hier finden sich zum einen die Entwicklung von einer Volksmusik- zu einer Kunstmusik-Ästhetik, der Versuch einer ästhetischen Einordnung inKategorien und Begriffen, die dem europäischen Kunstverständnis entsprechen (klassischer Jazz, progressiver Jazz, New Jazz) sowie die dauernde Auseinandersetzung mit dem ästhetischen afro-amerikanischen Erbe ((vgl. beispielsweise Jones 1963)).
Abbildung 1:
Übersicht über die Stilabfolge des Jazz
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Erklärung: Die Linien bezeichnen die Zeiten, in denen die entsprechenden Stile eineHauptentwicklungsstufe der Jazzgeschichte ausmachten. In den 80er Jahren gab es etliche Rückbezüge auf vorhergegangene Traditionslinien, die über blosse Zitate hinausgingen und selbst von neuem einflussreich waren.
Der Ursprung des Begriffs "Jazz" ist nicht ganz geklärt. Theorien nennen seine Herkunft von abgeänderten Personennamen ("Jasbo"), als Ableitung aus fremden Sprachen (beispielsweise aus demfranzösischen "jaser" oder aus afrikanischen Sprachen) und vor allem aus der Umgangssprache, mit deutlichen sexuellen Assoziationen, die sich aus der Funktion des Jazz als Tanzmusik genährt haben mögen. Als musikalischer Terminus ist "Jazz" erstmals zwischen 1913 und 1915 belegt und hat sich spätestens 1917 mit dem populären Erfolg der "Original Dixieland Jazz [Jass] Band" etabliert (Zusammenfassung der...
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