Lettres persanes

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  • Publié le : 17 juin 2010
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Gliederung

A) Montesquieus „Lettres Persanes“ als gattungsbildendes Werk für den Briefroman

B) Besonderheiten der Korrespondenz zwischen den beiden Reisenden Usbek und Rica

I) Formale Auffälligkeiten
1. Großteil der Briefe von Rica an Usbek
2. Position der Briefe im Gesamtwerk
II) Inhaltliche Betrachtung und Charakterisierung derBriefschreiber anhand ausgewählter Briefe
1. Rica
a) Bevorzugte Themen
b) Sprachliche Besonderheiten
c) Schlüsse für die Persönlichkeit Ricas
2. Usbek
a) Thema des Briefes von Usbek an Rica
b) Charakterisierung Usbeks unter Berücksichtigung der Korrespondenz mit
anderen Briefschreibern
III) Verhältnis derBriefpartner zueinander

C) Usbek als Sprachrohr Montesquieus

1. Montesquieus „Lettres persanes“ als gattungsbildendes Werk für den Briefroman

Als 1721 die „Lettres persanes“ unter einem Pseudonym veröffentlicht wurden, war der Erfolg bahnbrechend und Anlass für viele Nachahmer. Obwohl zu dieser Zeit das Ansehen des Romans erst langsam wuchs, gelang es Montesquieu mit seinem Meisterwerkdie Popularität der Gattung zu erhöhen und neben, bis dahin wenig bekannten Briefromanen, wie z.B. den „Lettres Portugaises“ von 1669, die Möglichkeiten dieses Genres offen zu legen.
Was aber machte den Erfolg der „Lettres persanes“ aus?
Zum einen ist hier sicherlich die Orient-Thematik in Verbindung mit der erotischen, voyeuristischen Harems-Atmosphäre zu nennen. Auch die Idee, Europa durch denBlick eines Fremden zu betrachten, eröffnete neue Sichtweisen. Am ausschlaggebendsten dürften aber die Vorzüge der Gattung Briefroman zu beurteilen sein.
Neben der Unmittelbarkeit und Authentizität des Mediums Brief fällt nämlich speziell in den „Lettres persanes“ auf, welche Themen- und Sprechervielfalt es ermöglicht, ohne lange Hinführungen zu benötigen. Es findet ein fließender, teilweiseabrupter Übergang von Briefen über die Religion zu politischen Inhalten, von dort zu Betrachtungen der Frauen, bis hin zu den Problemen im persischen Harem statt.
Ebenso vielseitig wie die Redegegenstände sind die Briefschreiber. Neben den beiden Hauptpersonen Usbek und Rica liegen z.B. Korrespondenzstränge dieser mit den Haremsdamen Zelis, Roxane, Fatima, Zephis und Zachi, den Eunuchen im Sérail,dem persischen Kaufmann Ibben, dem Neffen Usbeks, Rhédi, verschiedenen mohammedanischen Geistlichen in Persien, sowie mit einem unbekannten Adressaten vor. Abgesehen von diesen Briefwechseln der befreundeten Reisenden Usbek und Rica mit vorwiegend in Persien lebenden Personen, stellt die Korrespondenz zwischen den Protagonisten eine Besonderheit dar. Zum einen verfassen die Beiden die absoluteMehrheit der Briefe, 76 wurden von Usbek, 47 von Rica geschrieben, zum anderen befinden sich beide in Europa und können somit Erfahrungen im selben Kulturkreis austauschen. Aus diesem Grund ist es erforderlich, die 15 Briefe, die sich Usbek und Rica gegenseitig schreiben, genauer zu untersuchen.

2. Die Korrespondenz zwischen den Protagonisten Usbek und Rica in
Montesquieus „Lettres persanes“2.1. Formale Auffälligkeiten

2.1.1. Großteil der Briefe von Rica an Usbek
Wie bereits erwähnt, schreiben sich die beiden Reisenden Usbek und Rica im Verlauf der 161 Briefe in den „Lettres persanes“ insgesamt 15 mal. Dabei ist es auffällig, dass der Großteil der Briefe, nämlich 14 Stück, von Rica an Usbek adressiert sind, während dieser seinem jüngeren Reisegefährten nur einen einzigen[1]schreibt.
Nach der „Lettres persanes“ - Ausgabe Starobinskis[2] soll zwar Usbek Rica zweimal geschrieben haben, nämlich die Briefe LXXIV und CXLIV, unter Berufung auf die Reclam-Ausgabe der „Lettres Persanes“[3] und der Garnier Frères-Ausgabe[4] gehe ich aber davon aus, dass hier ein Fehler vorliegt und der Brief CXLIV in Wirklichkeit ebenfalls von Rica verfasst wurde. Darauf deutet auch die Anrede...
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