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  • Publié le : 10 décembre 2010
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Seine Frau nach Emmanuel Bernheim (1993)

Man hatte ihr ihre Tasche geklaut.
Wie jeden Morgen frühstückte sie an der Theke. Sie aß ihre Butterbrote, ihre Tasche stand auf dem Boden, zu ihren Füssen. Sie hielt sie fest zwischen ihre Knöchel gepresst. Und sie war verschwunden. Man hatte sie ihr geklaut und sie hatte nichts gespürt. Die anderen Kunden hatten nichts bemerkt, der Wirt auchnicht. Niemand hatte etwas gesehen.

Claire holte ihre Zweischlüssel bei dem Hausmeister und ging die Treppe hinauf, ohne auf den Aufzug zu warten. Zuallererst meldete die den Diebstahl ihrer Kreditkarte, dann rief sie einen Schlosser an, der ihr versprach, am Mittag und ihr Schloss auszuwechseln. Sobald sie aufgelegt hatte, entspannte sie sich. Das war nicht so schlimm. Es gab wenig Geld inihrer Brieftasche und sie hatte ihr Scheckheft nicht mitgenommen. Was ihrer Terminkalender betraf, er lag dort auf dem Schreibtisch, neben dem Telefon.

Sie schalte die Lampe im Eingangs - beziehungsweise Wartebereich ein und räumte den Stapel Zeitschriften auf. Es war fünf vor neun, der erste Patient des Vormittags würde bald kommen.

Der alte Mann nahm Antibiotika, die eine Kandidoseverursacht hatten. Seine Zunge war schwarz. Claire untersuchte ihn gerade, als er an der Tür klingelte. Sie ging ihn und öffnete. Es war ein junger Mann. Er lächelte. Sie bat ihn, sich zu gedulden und ging schnell in das Untersuchungszimmer zurück. Im Vorbeigehen blickte sie unwillkürlich auf ihren Terminkalender. Sie runzelte die Stirn. Der nächste Patient war eine Frau. Wer war nun der Mann, den siehereingelassen hatte? Sicherlich ein Notfall. Sie kehrte zu ihrem Patienten zurück und tastete seinen Bauch ab. Die Kandidose hatte den Verdauungskanal noch nicht erreicht. Plötzlich hielt Claire inne. Der Unbekannte pfiff. Er pfiff laut. Und fröhlich. Er war nicht krank. Kein Kranker würde so im Wartezimmer pfeifen. Vielleicht war es der Mann, der ihre Handtasche gestohlen hatte. Sicher war er es.Er hatte nur 20 Francs in Claires Brieftasche gefunden. Das war nicht genug. Er hatte ihre Ausweispapiere gesehen, er wusste, dass sie Ärztin war und er wollte das Geld der Behandlung. Und er wartete darauf, dass sie allein wäre. Während sich der alte Mann sich wieder anzog, öffnete Claire einen Spalt weit eine Schublade ihres Schreibtisches. Ihre Hand umschloss den kleinen kalten Körper einesTränengassprays. Sie schob es in ihre Tasche. Der Unbekannte hörte plötzlich auf zu pfeifen. Als Claire ihren Patienten zur Eingangstür zurück begleitete, war der Mann verschwunden. Sie lehnte sich an die Tür und atmete tief durch. Da entdeckte sie ihre Tasche, ihre gestohlene Tasche, die gut sichtbar mitten auf dem Sofa, auf einem Kissen stand. Nur das Geld und die Kreditkarte fehlten. Claire sagtedem Schlosser ab. Und sie schickte sich an, die nächste Kranke hereinzubitten, eine Ohrenentzündung.

Am Nächsten Tag stießen Claires Finger auf die Zuckerstücke in der Schublage. Da erinnerte sich an Tomas breites Lächeln, seinen Hals, als er seinen Kopf nach hinten zurückwarf, um die letzen Tropfen seines süßen Kaffe zu trinken. Sie spürte immer noch die Wärme seiner Hand, als er nach ihremHandgelenk griff, um zu sehen, wie spät es war. Und bei der letzen Verabredung am Freitag sahen seine kastanienbraunen Haare grau aus, so straubig waren sie. Sie nahm die Zuckerstücke und warf sie in ihren Papierkorb. Warum sollte sie sie behalten? Sie würde Thomas Kovacs nie wieder sehen.

Am Mittag ging sie nicht aus dem Haus.

Die Nacht brach herein. Claire maß den Blutdruck eines jungenMann, als das Telefon klingelte. Sie hob den Hörer ab. Sie erkannte sofort Thomas Stimme wieder. Er wollte sie sehen, sobald es ihr möglich wäre. Heute Abend. Sie hatte noch zwei Patienten. Er wartete in der Nähe ihrer Wohnung auf sie warten. Claire öffnete ihren Kleiderschrank. Sie besaß wenige Klamotten. Sie waren fast alle grau, grau passt zu allen. Sie schloss die Tür sofort wieder zu. Sie...
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