Walter benjamin. der begriff der kunstkritik in der deutschen romantik

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  • Publié le : 8 décembre 2010
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Walter Benjamin: Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik (1919)
„Das Thema meiner Dissertation: die philosophischen Grundlagen der romantischen Kunstkritik“

1. Walter Benjamin (1892-1940)
1.1 Leben
Walter Benjamin wuchs auf in Berlin als Sohn einer jüdischen Kunsthändlerfamilie.
Er studierte von 1912 bis 1919 Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Freiburg, Berlinund München. Die Studienzeit fand 1919 in Bern ihren Abschluss mit Benjamins Promotion über den Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik. Während dieser Zeit entstanden Freund-schaften mit Gershom Scholem, Ernst Bloch, Florens Christian Rang, Theodor W. Adorno und Siegfried Kracauer. In der Weimarer Republik löste sich Benjamin vom akademischen Kontext und konzentrierte sich auf diePublizistik. 1933 emigrierte Benjamin ins Pariser Exil. Von 1937 bis 1939 war er Mitglied am von George Bataille, Michel Leiris und Roger Caillois gegründeten Collège de Sociologie. Dennoch blieb ihm während seines Exils der Zugang zu tragenden französischen Intellektuellenkreisen verwährt.1940 nahm sich Benjamin auf der Flucht vor den Nationalsozialisten im Grenzort Portbou das Leben.

1.2 Werk
1)Theologisch-Metaphysische Arbeiten: Begriff der Kunstkritik 1919, Goethes Wahlverwandschaften 1922, Ursprung des deutschen Trauerspiels 1928
2) Literaturkritische Arbeiten: Rezension von Baudelaire, Proust, Kafka, Kraus, Keller 1927-1933
3) Geschichtsphilosophische Arbeiten: Passagenwerk 1927-1940, Einbahnstraße 1928, Deutsche Menschen. Eine Folge von Briefen 1936, Berliner Kindheit umNeunzehnhundert 1937, Über den Begriff der Geschichte 1939, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
1936

2. Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik (1919)
2.1 Inhalt

„Kritik ist, ganz im Gegenteil zur heutigen Auffassung ihres Wesens, in ihrer zentralen Absicht nicht Beurteilung, sondern einerseits Vollendung, Ergänzung, Systematisierung des Werkes,andererseits seine Auflösung im Absoluten“ (S.84)

Aufriss des ersten Teils: Einschränkung der Fragestellung und Die Quellen
Benjamin stellt seine Schrift zunächst als eine problemgeschichtliche vor, präzisiert diese Bestimmung in dem Sinne, dass es sich hier um die systematisierbaren Momente des romantischen Denkens über Kunst handele, beschränkt seine Untersuchung dann auf die Fragen nach der Ideeder Kunst und des Kunstwerks (im Kontext der Kunstkritik) und erklärt die Beschränkung seiner Quellenbasis auf die Schriften Novalis und vor allem Friedrich Schlegels, dessen erkenntnistheoretischen Positionen aus seinen 1804-1806 gehaltenen „Windischmannschen Vorlesungen“ zu erschließen seien.

ERSTER TEIL: DIE REFLEXION
1. Reflexion und Setzung bei Fichte
Benjamin rekonstruiert denBezug frühromantischer Ästhetik auf Johann Gottlieb Fichtes Begriff der Reflexion: Ausgangspunkt ist das im Selbstbewusstsein über sich selbst reflektierende Denken. Fichte bezieht die Reflexion auf das Ich und konstatiert, dass dieses durch die Reflexion sich selbst denkend erkennt. Schlegel bezieht die Reflexion auf die Kunst, macht sie zu einem Reflexionsmedium, anhand dessen der Mensch sich unddie Welt reflektierend erkennen kann.
2. Die Bedeutung der Reflexion bei den Frühromantikern
Anhand des Bezugs auf Schlegels sog. „Windischmannschen Vorlesungen“ erläutert Benjamin das Schema der romantischen Erkenntnistheorie. Diese durchläuft im Gegensatz zum Fichteschen Reflexionsbegriff eine 1., 2. und 3. Reflexionsstufe. Benjamin konstatiert: „Fichtes intellektuelle Anschauung istDenken, das seinen Gegenstand, die Reflexion im Sinne der Romantiker aber Denken, das seine Form erzeugt“.
Nach Fichte setzt sich mit der Form des Satzes „Ich-bin-Ich“ das Subjekt zugleich seinen Gehalt. Die Frühromantiker strebten nach Benjamin hingegen nach einer unaufhörlichen, stets sich selbst zersetzenden Reflexion, die das Ich begründet, welches jedoch nicht auf sich selbst referiert,...
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