Neue wege im grammatikunterricht

Disponible uniquement sur Etudier
  • Pages : 11 (2547 mots )
  • Téléchargement(s) : 0
  • Publié le : 24 avril 2010
Lire le document complet
Aperçu du document
Neue Wege im Grammatikunterricht

Vorweg: Grundsätzliche Fragen, die nur indirekt auf unsere täglichen unterrichtsbezogenen Entscheidungen Einfluß haben, möchte ich im folgenden ausklammern. Solches wäre z.B. die Frage nach dem Grammatikmodell, das dem Unterricht zugrunde liegen soll, oder die Frage nach dem Aufbau des Lehrwerks. Verzichten möchte ich auch – denn das würde den Rahmen derVeranstaltung sprengen – auf Ratschläge zur Behandlung einzelner grammatischer Erscheinungen.
Im wesentlichen beziehe ich mich mit meinen Ausführungen auf die Phase des Lernens mit dem Lehrwerk.

Krise des Grammatikunterrichts
In den letzten Jahren wurde immer wieder von der Krise des Französischunterrichts gesprochen, und dabei stand besonders der Grammatikunterricht im Visier der Kritiker. Derfranzösische Cartoonist Esnault hat das zentrale Problem recht deutlich veranschaulicht: Da baut der Lehrer voller Freude mit den Bausteinen der Grammatik eine Mauer zwischen sich und dem frustrierten Schüler. Dieser Lehrer hat die irrige Annahme, sprachliche Kompetenz sei das Ergebnis der Aneinanderreihung von Grammatikbausteinen. Für diesen Unterricht sind gute Grammatikkenntnisse und nicht guteSprachkenntnisse des Lehrers gefordert.

Der schulische Unterricht konzentriert sich auf die Einzelheiten der Sprache und verstellt den Blick auf das Ganze. Der mit der Sprache ausgedrückte Sinn scheint im Unterricht - d.h. für den Lehrer - sekundär. Werner Bleyhl (1999) formuliert das drastischer: Der traditionelle Grammatikunterricht gibt dem Hungernden die Speisekarte zu essen statt der Speiseund beklagt sich hinterher, daß die Lerner Leibschmerzen haben und nicht mehr essen wollen.
Zimmermanns Untersuchungsergebnisse zur Stellung der Grammatik im Fremdsprachenunterricht sprechen eine eindeutige Sprache: 77,1% der Schullehrer, 85,7% der Lehrer an privaten Sprachschulen, 80% in der Industrie, 68,8% am Goethe-Institut und noch 67,2% der Lehrer an der Volkshochschule unterrichtenGrammatik 'gern' oder 'sehr gern' (Zimmermann 1990: 31f.). Und dabei wird man wohl davon ausgehen müssen, daß diese Zahlen für den Französischunterricht noch einiges höher liegen. Der Grund dafür liegt, nach Meinung Zimmermanns, und dieser kann man sich durchaus anschließen, darin, "daß die Beliebtheit der Grammatik auf ihre relativ leichte Beherrschbarkeit - gegenüber der Sprache insgesamt als eineminfiniten, nie ganz zu beherrschenden Gegenstand von großer Komplexität und Lernschwierigkeit - zurückzuführen sein dürfte" (ib. S. 32).
Fremdsprachenunterricht konzentriert sich offensichtlich auf Details der Sprache, auf Laute, Wörter und Strukturen. So erstaunt nicht, daß „Zwei Drittel aller Klassenarbeiten Grammatiktests oder traditionelle Grammatikarbeiten“ (Zimmermann & Wißner-Kurzawa 1985:7) sind. Die Lernziele sind leicht und bequem überprüfbar.

Demgegenüber stehen nur 2,3% der Schüler, die Grammatik sehr gern mögen, und das werden Sie bestätigen können, daß es nicht unbedingt diese sind, die – wenn es um freiere Formen der Formulierung geht – die besten Leistungen bringen.
Woran liegt das?
• „Regelwissen“ und „Regelanwenden“ entsprechen sich nicht (Hecht und Green 1992).Wenn Schüler eine 'Regel' aufsagen können, heißt dies noch lange nicht, daß diese „Regel“ Teil des Sprachproduktionsprogramms geworden ist, wie andererseits - nicht nur in der Muttersprache - Sprache richtig verwendet werden kann, ohne die „Regel“ verbal fassen zu können.
• Unmißverständlich eindeutig sind Befunde der Neurolinguistik: Deklaratives Wissen über Sprache (metasprachliches Wissen) undsprachliche Kompetenz (prozedurales Wissen als Programm für die Anwendung von Sprache) sind neurofunktional geschieden, in unterschiedlichen Arealen lokalisiert und nicht ineinander integriert (Paradis 1994: 393).
• Ähnlich eindeutig sind die Befunde der kognitiven Neurobiologie. Danach konstruiert nicht nur jedes Gehirn selbst seine Bedeutungen; Wissen, auch Sprachwissen kann nicht einfach...
tracking img