Raboliot

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  • Publié le : 8 février 2010
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1. Einleitung
Ausgehend vom Seminar, das sich regionalistischen Romanen unter verschiedenen Gesichtspunkten widmete, greift die vorliegende Arbeit den die Thematik „Sympathie-lenkung und Narratologie“ wieder auf. Dabei steht zunächst die Begriffsbestimmung im Mittelpunkt. Die verschiedenen Definitionselemente berücksichtigend soll daraufhin erläutert werden, wodurch die Rezeption des Lesers, undim Speziellen die Entstehung von Sympathie für eine Figur, gesteuert werden können. Eine wichtige Rolle hinsichtlich möglicher Methoden spielen neben narratologischen Elementen auch Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie und Gefühlstheorie. Im darauf folgenden Kapitel sollen ausgewählte Inhalte der Erzähltheorie nach Genette in Bezug auf ihre sympathielenkende Wirkung überprüft und eingeordnetwerden. Neben dem Bereich der Fokalisierung werden hier die verschiedenen Formen der Rede- und Gedankenwiedergabe besondere Beachtung finden.

Im zweiten Teil werden die Ergebnisse der theoretischen Betrachtung anhand einiger prägnanter Textstellen aus Raboliot[1] illustriert. Dabei geht es im Speziellen um die Frage, inwiefern Raboliot tatsächlich die Sympathie des Lesers auf sich ziehen kann undob er als Sympathieträger des Romans von Genevoix gelten kann. Als Kontrast wird dem vermeintlichen Helden Bourrel als Gegenspieler und möglicher Antipathieträger gegenübergestellt. Am Konflikt dieser beiden Personen wird die Frage nach der Manipulierung ethischer Grundsätze des Lesers nachvollzogen.

Die Zusammenfassung bietet abschließend die Möglichkeit sowohl Aspekte aus dem Bereich derDefinition und Begriffsklärung, wie auch praktische Erkenntnisse aus der Textanalyse sowie problematische Gesichtspunkte im Hinblick auf die subjektive und heterogene Komponente der Sympathielenkung zusammenfließen zu lassen.

2. Sympathielenkung in epischen Texten
Zunächst soll geklärt werden, was unter den Begriffen Sympathielenkung und Sympathie in diesem Kontext verstanden wird. Anschließendwird zu analysieren sein, durch welche Faktoren und Mittel dies erreicht und bzw. begünstigt werden kann. Anhand der erzähltheoretischen Kategorie des Modus (nach Genette) werden die unter 2.1 genannten Aspekte dann näher erläutert und strukturiert.

2.1 Definition und theoretische Grundlagen
Kommen wir zunächst zum Begriff und Vorgang der Sympathielenkung. Nach Nünning handelt es sich dabei umeinen
meist vage definierte[n] Oberbegriff für die Steuerung der affektiv-kognitiven Reaktionen von Rezipienten durch literarische Darstellungsverfahren, die die Anteilnahme des realen Lesers, als den ‚Adressaten der Sympathielenkung’, am Schicksal der Figuren beeinflussen[2].

Dieser Begriff beruht demnach auf der Annahme, dass Rezipienten mit den in dramatischen oder epischen Textenauftretenden Figuren mitfühlen und sich emotional mit ihnen identifizieren können. Hier zeigt sich bereits, dass die Analyse von sympathielenkenden Elementen durchaus diffizil sein kann, da diese die subjektiv-emotionale Ebene eines jeden Lesers oder Zuschauers betrifft und diese nur schwer im objektiv-analytischen Rahmen zu erfassen ist.

Laut Lindner hat die Sympathielenkung ihrenwissenschaftlichen Ursprung in der Dramenanalyse. In Stanzels Theorie finde sich ein erster Hinweis auf den möglichen Zusammenhang zwischen Sympathiesteuerung und Diskursmodi als Gattungsspezifika der Narratologie[3]. Ausgehend vom Ursprung der Sympathielenkung im Zusammenhang der Dramentheorie sollen zunächst die dort entwickelte Definition und damit zusammenhängende Problematiken Beachtung finden.Sympathienlenkung wird von Habicht/Schabert im Kontext der Dramenanalyse als „Steuerung der Reaktion des Publikums“[4] verstanden und basiere auf den kalkulierten, manipulierenden Kräften des Autors. Sie gehen also davon aus, dass Sympathielenkung ein bewusst vom Autor gewähltes Vorgehen ist, um die Reaktionen des Publikums zu steuern. Diese erste Definition soll im Folgenden analog für epische Texte...
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