Dürrematt - le physicien

Pages: 17 (4181 mots) Publié le: 7 février 2011
»In einem elementaren Sinne haben die Physiker die Sünde kennengelernt, und das ist ein Wissen, das sie niemals mehr verlieren können.«

Das sagte der leitende Physiker der Atombombenentwicklung in den USA, Julius Robert Oppenheimer, vielen bekannt durch das gleichnamige Schauspiel von Heinar Kipphardt1, kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges in Los Alamos zu seinen Mitarbeitern.
Seit dem 6.August 1945 wissen wir, dass wir in der Lage sind, uns und eventuell alles Leben auf diesem Planeten zu vernichten. Spätestens seit jenem Tag hat die Diskussion um die Verantwortlichkeit der Wissenschaftler/innen eine neue Dimension erhalten.

Mit dem Aufkommen der Gentechnologie gibt es neue Gefahren, besonders die Gefahr irreversibler Veränderungen der Natur – nach einem Wort von Erwin Chargaffist das Besondere an der Genmanipulation, »dass auch ein Genie nicht mehr gutmachen kann, was ein Trottel angerichtet hat«. Die Devise kann und darf nicht mehr sein: Ich forsche und schere mich den Teufel um das, was herauskommt; der Mythos von der Wertfreiheit der Wissenschaft hat ausgespielt, auch wenn er noch in vielen Köpfen herumspukt.

Und es gab Wissenschaftler/innen, die darausKonsequenzen zogen: 1958 verweigerten 18 prominente Göttinger Wissenschaftler auf die Ankündigung Adenauers hin, die Bundeswehr mit Atombomben auszurüsten, ihre Mitwirkung bei der Kernwaffenforschung2. 1974 riefen 11 Wissenschaftler von Rang zur zeitweisen Einstellung gentechnologischer Versuche auf3, und bei der berühmten Asimolar-Konferenz 1975 verabschiedeten über 140 Wissenschaftler/innen strengeSicherheitsrichtlinien auf diesem Gebiet.4

Doch daraus den Schluß zu ziehen, den Wissenschaftler/innen könne man die Verantwortung für das alleine aufbürden, was aus ihren Forschungsergebnissen wird, ist übereilt. Gerade das Gentechnik-Moratorium von 1974 ist ein Gegenbeispiel: Um die Gefahren, vor denen sie warnten, abzuschätzen, waren diese 11 nicht kompetent genug; der Horrorkatalog, den sieaufstellten, hätte von jedem besseren Science Fiction-Autor stammen können – was nichts daran ändert, dass das Moratorium eine zunächst gute Sache war. Doch diese Abgabe der Entscheidung, die – zu begrüßende – Demokratisierung oder zumindest der Ansatz dazu hatte auch und hat bis heute einen Haken, auf den z. B. Jost Herbig 1979 bei einer Bundestagsanhörung hinwies:

»Durch Mehrheitsbeschluß derWissenschaftsgemeinde ist das Risiko gesellschaftlich akzeptabel geworden. Die Wissenschaftsgemeinde hat die Gesellschaft verpflichtet, das Risiko in den Kontext ihres Alltags mit einzubeziehen. Das Risiko ist sozialisiert worden.«5

Verantwortlichen Wissenschaftler/innen bleibt nur, die Entscheidung der wie auch immer gestalteten mehr oder weniger demokratischen Gremien zu akzeptieren – oder sichForschungen, die sie (trotzdem) für zu gefährlich halten, zu verweigern. Es stellt sich die Frage, ob »durchschnittliche« Wissenschaftler/innen überhaupt in der Lage sind, abzusehen, welche Auswirkungen ihre Forschungen haben – und ob (und wie) sie dann gegebenenfalls daraus Konsequenzen ziehen können.
Ich möchte diese Frage, bevor ich sie allgemein beantworte, etwas näher untersuchen am Beispieleines der bekanntesten Wissenschaftler der modernen Literatur, des »Möbius« aus Friedrich Dürrenmatts Komödie »Die Physiker«.6

Zu Dürrenmatts Stück »Die Physiker«

Die Komödie »Die Physiker« des Schweizer Pastorensohns Friedrich Dürrenmatt (geboren am 5. Januar 1921 in Konolfingen bei Bern, gestorben am 14. Dezember 1990 in Neuchâtel7) ist seit Jahren eines der meistgespielten Stücke aufdeutschen Bühnen. Es fällt schwer, eine bessere Inhaltsangabe zu geben, als sie in der Kritik der »Frankfurter Rundschau« vom 21. Januar 1983 zu finden ist:
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