Le football

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  • Publié le : 20 mars 2011
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Eveline Christof gemeinsam mit Beate Bauer, Barbara Gruber und Nina Hager Grundlagen qualitative Methoden I: das Interview - Theorie, Methode und praktische Anwendung (VO + UE) WS 06/07

Das narrative Interview
Das narrative Interview als ganz spezifische Interviewform, hat sich Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre in Deutschland, im Bereich der Soziologie entwickelt. Als wichtigeVertreter sind hier Fritz Schütze und der „Arbeitskreis Bielefelder Soziologen“ zu nennen. Schaut man in die Entstehungsgeschichte zurück, dann lässt sich eine Reihe von Gründen anführen, warum der Arbeitskreis der Bielefelder Soziologen eine neue Erhebungsmethode konzipiert hat. Unter dem Einfluss des Positivismusstreits in der Soziologie der siebziger Jahre herrschte große Unzufriedenheit mitfehlenden Zusammenhängen oder Beziehungsformen zwischen empirischer Forschung und Theoriebildung. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Einsatz von bestimmten Verfahren fehlte ebenso wie eine methodische Kontrolle derselben. Direkt im Feld gelangten ForscherInnen immer wieder an Grenzen, die den Zugang zu den ProbanInnen erschwerten, da diese standardisierte Interviews als „fremd“ und„entfremdend“ ablehnten. Fritz Schütze wollte mit der Entwicklung des narrativen Interviews eine Datenerhebungsmethode gestalten, in welcher InterviewpartnerInnen ihre alltäglichen kommunikativen Fähigkeiten entfalten können, ungeachtet vorgefertigter Schemata, welche für ForscherInnen sicherlich einfacher zu handhaben wären. „Das narrative Interview eignet sich als Erhebungsinstrument immer dann besondersgut, wenn es dem Forscher um die Rekonstruktion komplexer Sachverhalte in der sozialen Wirklichkeit geht, die auch als Geschichte erzählt werden können – so beispielsweise um lebensgeschichtliche Prozesse, um interaktionsgeschichtliche Sachverhalte, um kollektiv-historische oder einfach alltagssprachliche Sachverhalte.“ (Glinka 1998, 25)

Prinzipien und Ablauf eines narrativen InterviewsNarrative Interviews dienen dazu GesprächspartnerInnen dazu zu veranlassen, spontane Stegreiferzählungen zu den thematisierten Forschungsfragen zu erzeugen. Befragte werden in dieser Interviewform gebeten einen bestimmten Ausschnitt aus ihren Leben oder auch das Leben in seiner Gesamtheit (narrativ-biographisches Interview, Schütze 1983) möglichst spontan, zunächst ohne Rückfragen seitens derinterviewenden Person zu erzählen. Ein erzählungsgenerierender Stimulus wird gesetzt, der diese Stegreiferzählung der Befragten hervorrufen soll. Zu Beginn dieser ersten Erzählung sollen die Befragten nicht dazu aufgefordert werden das Erzählte zu begründen, zu theoretisieren oder zu bewerten. Welche Themen sind für den Einsatz von narrativen Interviews geeignet? Geeignet sind in gewisser Weise„problematische“ Ereignisse, welche für die Befragten aus ihrer Routine hervortreten, wie Krisen, Brüche, Veränderungsprozesse, Entwicklungen mit einem Anfang und einem Ende, wo Grenzen der Erfahrung sichtbar werden oder eine Neukonstruktion bisheriger Handlungsweisen notwendig wird. Blickt man in die Geschichte der Entwicklung dieses Interviewtypus zurück, dann waren diese problematischen Anlässe in erstenUntersuchungen bei Schütze in den 1970er Jahren Fusionen von Gemeinden im Zuge von Verwaltungsreformen. Damals wurden diese Veränderungen und Entwicklungen von beteiligten Kommunalpolitikern in Interviews geschildert. Wie läuft ein narratives Interview ab? Am Anfang, zum Einstieg in das Interview steht eine Erzählaufforderung, welche die Befragten zu einer Haupterzählung veranlassen soll. Währenddieser Haupterzählung sollen die Befragten durch keinerlei (Nach-)Fragen unterbrochen oder gelenkt werden. Schütze zufolge wird die 34

Eveline Christof gemeinsam mit Beate Bauer, Barbara Gruber und Nina Hager Grundlagen qualitative Methoden I: das Interview - Theorie, Methode und praktische Anwendung (VO + UE) WS 06/07

Erzählung durch im Interview wirksame Erzählzwänge gesteuert (Schütze...
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